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Ein­baupflicht für Smart Meter Gate­ways – ja oder nein? Die rich­ti­ge Inter­pre­ta­ti­on des MsbG

Die regu­la­to­ri­schen Unsi­cher­hei­ten bei intel­li­gen­ten Mess­sys­te­men sind nach wie vor groß. Theo­re­tisch greift seit Okto­ber 2017 für intel­li­gen­te Mess­sys­te­me das Inte­rims­mo­dell für die Markt­kom­mu­ni­ka­ti­on. Doch sind weder die tech­ni­schen Anfor­de­run­gen an die Smart Meter Gate­ways final, noch gibt es ein fina­les Ziel­mo­dell für die stern­för­mi­ge Markt­kom­mu­ni­ka­ti­on. Immer­hin: Klar­heit herrscht dar­über, in wel­chen Fäl­len ein Smart Meter Gate­ways ein­ge­baut wer­den muss. Oder? Die Para­gra­phen des Mess­stel­len­be­triebs­ge­set­zes oder des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes las­sen durch­aus Raum für unter­schied­li­che Inter­pre­ta­tio­nen zu. Kiwi­grid und die envi­aM-Grup­pe geben Ant­wor­ten auf die wich­tigs­ten Fra­gen.

Grund­sätz­lich gilt: Eine Ein­bau­ver­pflich­tung für ein Smart Meter Gate­way an einer Mess­stel­le ergibt sich auf Grund­la­ge des jähr­li­chen Ver­brau­ches, der instal­lier­ten Erzeu­gungs­leis­tung oder der Mög­lich­keit einer netz­dien­li­chen Steue­rung von Ver­brauchs­ein­rich­tun­gen. Ver­pflich­tend mit einem intel­li­gen­ten Mess­sys­tem aus­ge­stat­tet wer­den alle Mess­stel­len von Letzt­ver­brau­chern mit einem Jah­res­strom­ver­brauch über 6.000 Kilo­watt­stun­den oder mit einer steu­er­ba­ren Ver­brauchs­ein­rich­tung nach §14a des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes. Auch alle Erzeu­gungs­an­la­gen mit einer instal­lier­ten Leis­tung grö­ßer sie­ben Kilo­watt fal­len unter die Ein­baupflicht. Doch was genau ist mit die­sen Anfor­de­run­gen „6.000 kWh“, „§14a“ und „Anschluss­leis­tung 7 kW“ gemeint? Wann ist ein Bat­te­rie­spei­cher eine Anla­ge nach Para­graph 14a EnWG? Greift die Ein­baupflicht, wenn der Durch­schnitts­ver­brauch bei 5.998 kWh oder die Anschluss­leis­tung bei 6,98 kW lie­gen?

Zu „steu­er­ba­ren Ver­brauchs­ein­rich­tun­gen“ nach §14a EnWG zäh­len zum Bei­spiel Bat­te­rie­spei­cher, Elek­tro­fahr­zeu­ge, Wär­me­pum­pen und Nacht­spei­cher­hei­zun­gen.  Doch es stellt sich die Fra­ge, ob die Ein­baupflicht aus­nahms­los für all die­se Anla­gen­ty­pen greift. Gibt es zum Bei­spiel Anschluss­leis­tungs­gren­zen? Tho­ralf Ehnert, Lei­ter Pro­dukt­ent­wick­lun­g/-manage­ment bei der envi­aM klärt auf: „Die Ein­baupflicht für alle §14a-Anla­gen lässt sich nicht zwin­gend auf alle Wär­me­pum­pen, Lade­säu­len oder Bat­te­rie­spei­cher anwen­den. Viel­mehr ist es eine indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung, die wirt­schaft­li­che Fak­to­ren berück­sich­tigt sowie die Fra­ge, ob der steu­ern­de Ein­griff zum Zweck einer Netz­ent­las­tung über­haupt ermög­licht wer­den kann und soll. Leis­tungs­gren­zen gibt es hier nicht.“

Wei­te­res Bei­spiel: Eine EEG-Anla­ge hat eine Anschluss­leis­tung von 6,96 kWp. Wird die­ser Wert auf­ge­run­det? „Dies regelt Para­graph 29 des Mess­stel­len­be­triebs­ge­set­zes (MsbG) rela­tiv ein­deu­tig. Es erfolgt kei­ne Run­dung. Es gilt die exakt aus­ge­wie­se­ne instal­lier­te Leis­tung der Erzeu­gungs­an­la­ge. Über­steigt die­se sie­ben Kilo­watt, dann greift die Ein­baupflicht“, so Ehnert.

Beim Jah­res­ver­brauch wird es etwas kom­ple­xer, auch wenn der Gesetz­ge­ber eine rela­tiv ein­deu­ti­ge Rege­lung getrof­fen hat: Es gilt der Durch­schnitts­wert der letz­ten drei erfass­ten Jah­res­ver­brauchs­wer­te. Ist die­ser grö­ßer als 6.000 kWh greift die Ein­baupflicht. Die Schwie­rig­keit besteht eher in der Vali­die­rung die­ser Wer­te. „Der Durch­schnitts­wert kann natür­lich auch eine Schät­zung des Mess­stel­len­be­trei­bers oder eine feh­ler­haf­te Anga­be des Kun­den beinhal­ten. Grund­sätz­lich füh­ren vie­le Mess­stel­len­be­trei­ber Kon­troll­ab­le­sun­gen durch. Mit dem 3-Jah­res-Durch­schnitts­wert will der Gesetz­ge­ber sicher­stel­len, dass eine siche­re Zuord­nung der Ver­brauchs­stel­len erfol­gen kann und ein häu­fi­ges Wech­seln ver­mie­den wird.“, sagt Tho­ralf Ehnert. Und wie wird mit Neu­an­la­gen umge­gan­gen? „Falls es sich um ein neu­es Gebäu­de han­delt und noch kei­ne drei Wer­te vor­lie­gen, ori­en­tiert man sich an der Schät­zung basie­rend auf dem Stan­dard­last­pro­fil des jewei­li­gen Letzt­ver­brau­chers oder ver­gleich­ba­ren Ver­brau­cher­grup­pen“, so Ehnert.

Der Gesetz­ge­ber lässt klar erken­nen, dass für die Ener­gie­wen­de auch klei­ne, pri­vat betrie­be­ne Anla­gen wie Wär­me­pum­pen, Lade­ein­rich­tun­gen für Elek­tro­fahr­zeu­ge oder PV-Anla­gen in Ver­bin­dung mit Bat­te­rie­spei­chern einen wesent­li­chen Bei­trag leis­ten sol­len. Die bis­he­ri­ge For­mu­lie­rung im Para­graph 14a Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz (EnWG) wur­de bereits von „unter­brech­ba­re“ in „steu­er­ba­re“ Ein­rich­tung geän­dert. Zu die­sen steu­er­ba­ren Ver­brauchs­ein­rich­tun­gen zäh­len auch Elek­tro­fahr­zeu­ge. Vie­le wei­te­re Aspek­te sind der­zeit noch nicht defi­niert. Unter ande­rem des­halb sol­len kon­kre­te Ver­ord­nun­gen und Vor­ga­ben fol­gen. Dar­in wer­den auch die Gestal­tung eines Anreiz­sys­tems für netz­dien­li­che Fle­xi­bi­li­tä­ten sowie tech­ni­sche Vor­ga­ben erwar­tet.

Der Para­graph 14a EnWG beinhal­tet eine Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung und den Ver­weis auf ein ver­ein­fach­tes Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren durch die Bun­des­re­gie­rung. Wir sind gespannt auf den Inhalt. Wir sehen gro­ße Chan­cen für unse­re Kun­den, einen wert­vol­len Bei­trag für ein nach­hal­ti­ges Ener­gie­sys­tem zu leis­ten. Wich­tig ist, dass die Bereit­schaft den eige­nen Ener­gie­be­darf an exter­ne Vor­ga­ben anzu­pas­sen sowie die Bereit­stel­lung von erneu­er­ba­rer Ener­gie auch für pri­va­te Haus­hal­te und klei­ne Geschäfts­kun­den loh­nens­wert ist. In Sum­me dür­fen kei­ne wei­te­ren Mehr­kos­ten durch die Ener­gie­wen­de ent­ste­hen“, so Tho­ralf Ehnert abschlie­ßend.