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Ohne digi­ta­li­sier­te Ener­gie­sys­te­me wird E-Mobi­li­tät nicht ska­lie­ren

 

Der Smart-Meter-Roll­out kann für die Ener­gie­bran­che mehr sein als nur eine Her­aus­for­de­rung. Tim Ulb­richt, Geschäfts­füh­rer von Kiwi­grid, sieht kon­kre­te Chan­cen im Bereich der Elek­tro­mo­bi­li­tät.

Der Roll­out intel­li­gen­ter Mess­sys­te­me läu­tet end­gül­tig das digi­ta­le und fle­xi­ble Zeit­al­ter der deut­schen Ener­gie­wirt­schaft ein. Doch anstatt nur die Para­gra­phen des Mess­stel­len­be­triebs­ge­set­zes abzu­ar­bei­ten, soll­ten Ener­gie­ver­sor­ger den Roll­out als Chan­ce für eine ech­te digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on ver­ste­hen. Das Smart Meter Gate­way als Herz des intel­li­gen­ten Mess­sys­tems ist weit mehr als ein Tür­ste­her für Mess­da­ten. Es ist eine digi­ta­le Platt­form im Gebäu­de des Kun­den. Es ist die Schnitt­stel­le ins Strom­netz und der Kleb­stoff für die Kopp­lung mit Wär­me und Mobi­li­tät. Wie beim Smart­pho­ne steckt der Mehr­wert in der Soft­ware und nicht in der Hard­ware. Das Gate­way ermög­licht allen ener­gie­wirt­schaft­li­chen Markt­rol­len eine nie dage­we­se­ne Wert­schöp­fung.

Kon­ver­genz von Mobi­li­tät und Strom

Der Ver­kehrs­sek­tor zählt mit zu den größ­ten Ener­gie­ver­brau­chern in Deutsch­land und könn­te in vie­len Berei­chen mit Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en elek­tri­fi­ziert wer­den. Noch kämp­fen Auto­her­stel­ler und Ener­gie­ver­sor­ger glei­cher­ma­ßen bei Käu­fern um die Akzep­tanz der E-Mobi­li­tät. Doch eine PWC-Stu­die geht von einem Markt­an­teil für Elek­tro­au­tos von 30 Pro­zent im Jahr 2030 aus. Des­halb wer­den die Inves­ti­tio­nen in den Aus­bau der Lad­ein­fra­struk­tur in den nächs­ten Jah­ren erheb­lich zuneh­men. Die meis­ten gro­ßen Ener­gie­ver­sor­ger bie­ten in ihrem Port­fo­lio bereits Lade­säu­len­kon­zep­te für Fir­men­flot­ten an.

Neue ener­gie­wirt­schaft­li­che E-Mobi­li­täts­lö­sun­gen

Die Bereit­stel­lung der Lad­ein­fra­struk­tur eröff­net Mög­lich­kei­ten für wei­ter­füh­ren­de Geschäfts­mo­del­le. So sind zum Bei­spiel spe­zi­el­le Tari­fe für die gewerb­li­che E-Mobi­li­tät denk­bar, wenn die­se ihre Fir­men­flot­ten in Schwach­last­zei­ten auf­la­den. Auch eine Ein­be­zie­hung der Elek­tro­mo­bi­li­tät als steu­er­ba­re Las­ten wäre eine Opti­on. E-Autos wür­den dann über­schüs­si­gen Strom aus dem Netz auf­neh­men oder Strom, den sie selbst aktu­ell nicht benö­ti­gen, bei Eng­päs­sen ins Netz ein­spei­sen. Das wür­de nicht nur die Ver­sor­gungs­si­cher­heit gewähr­leis­ten, son­dern auch die volks­wirt­schaft­li­chen Kos­ten für den Netz­aus­bau auf der Nie­der­span­nungs­ebe­ne signi­fi­kant ver­rin­gern.

Para­dig­men­wech­sel im Ener­gie­ver­trieb

Die Kon­ver­genz von Mobi­li­tät und Strom sorgt damit für einen ech­ten Para­dig­men­wech­sel. Der Kun­de von mor­gen wird Dienst­leis­tun­gen nach­fra­gen, die Mobi­li­tät, Strom und Ener­gie­ef­fi­zi­enz sinn­voll zu einem Sys­tem ver­bin­den. Und die ohne Kom­fort­ein­schrän­kung zur Fle­xi­bi­li­sie­rung des Ener­gie­sys­tems bei­tra­gen kön­nen. Dies führt dazu, dass rei­ner Ener­gie­be­zug von immer mehr Kun­den nur als Teil des Gan­zen gese­hen wird. Ins­be­son­de­re die Markt­rol­le des Ener­gie­ver­triebs voll­zieht damit einen Wan­del vom Com­mo­dit­y­an­bie­ter zum Sys­tem­dienst­leis­ter. Auch liegt es nahe, dass Auto­her­stel­ler frü­her oder spä­ter dazu über­ge­hen, ihre Elek­tro­au­tos im Paket mit der pas­sen­den Lade­lö­sung inklu­si­ve Strom­ver­trag mit Flat­rate und dem not­wen­di­gen Smart Meter Gate­way anzu­bie­ten.

Intel­li­gen­te Mess­sys­te­me – Chan­ce für Ener­gie­ver­sor­ger

Vor­aus­set­zung für all die­se neu­en Geschäfts­mo­del­le bleibt die Daten­kom­mu­ni­ka­ti­on und Lade­steue­rung über eine ska­lier­ba­re, hoch­si­che­re und stan­dar­di­sier­te Infra­struk­tur – eine Auf­ga­be, die Smart Meter Gate­ways als Kern­kom­po­nen­te des intel­li­gen­ten Mess­sys­tems über­neh­men wer­den. Die­se wer­den als stan­dar­di­sier­te und hoch­si­che­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Steue­rungs­in­fra­struk­tur für alle sys­tem­re­le­van­ten Anla­gen die­nen. Vor allem im Nie­der­span­nungs­netz, wo weit über 90 Pro­zent aller Erneu­er­ba­ren ange­schlos­sen sind und künf­tig wei­te Tei­le der Lad­ein­fra­struk­tur für Elek­tro­mo­bi­li­tät ange­schlos­sen sein wird. Aus all die­sen Grün­den ist klar, dass ohne eine kon­se­quen­te Digi­ta­li­sie­rung der Ener­gie­sys­te­me inklu­si­ve einer groß­flä­chi­gen Smart-Meter-Gate­way-Infra­struk­tur Elek­tro­mo­bi­li­tät auf lan­ge Sicht nicht ska­lie­ren wird.

Ori­gi­nal erschie­nen in der Han­dels­blatt-Aus­ga­be vom 05.02.2018 „Ener­gie – Das Ende der Wen­de?“