deen
deen

Der „sta­ti­sche kWh-Preis“ in der neu­en Ener­gie­welt

Strom­ver­trie­be ste­hen vor dem Dilem­ma, dass ihr Pro­dukt die Kun­den eigent­lich weder begeis­tert noch son­der­lich inter­es­siert. Eine Mit­schuld dar­an trägt sicher­lich der „sta­ti­sche kWh-Preis“. Intel­li­gen­te Mess­sys­te­me wer­den die­ses Dilem­ma zwar nicht auf­lö­sen. Sie hel­fen aber, neue Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen zu ent­wer­fen, ohne dass der Kun­de sei­ne Kom­fort­zo­ne ver­las­sen muss.

Kun­den inter­es­sie­ren sich nicht für Strom

Eine der gro­ßen Heils­ver­spre­chen des intel­li­gen­ten Zähl- und Mess­we­sens sind varia­ble Tari­fe. Strom­kun­den sol­len dann Ener­gie ver­brau­chen, wenn sie am güns­tigs­ten ist. Betrach­ten wir aber „den Kun­den“ so stel­len wir fest, dass er es bis­lang gar nicht gewohnt ist, Ener­gie dyna­misch und fle­xi­bel zu den­ken und zu ver­brau­chen. Sei­ne Dimen­si­on ist der „sta­ti­sche kWh-Preis“. Kun­den sind es gewohnt, dass elek­tri­sche Ener­gie aus der Steck­do­se ein­fach zu jeder Zeit ver­füg­bar ist und zu jeder Zeit den glei­chen Preis hat. Ob er gar nicht dyna­misch und fle­xi­bel den­ken will, sei dahin­ge­stellt. Offen­sicht­lich ist aber, dass das alte Strom­sys­tem und die betei­lig­ten Play­er die Kun­den dahin­ge­hend erzo­gen haben, Strom unhin­ter­fragt zu kon­su­mie­ren. Smart Meter sind für den Ver­brau­cher nicht attrak­tiv. Kaum ein Strom­ver­brau­cher wirft einen Blick auf die Gerä­te oder die dazu­ge­hö­ri­gen Apps.

Kei­ne Anrei­ze für fle­xi­ble Tari­fe?

Bli­cken wir auf die Anrei­ze, die Kun­den vor­fin­den, wenn sie auf fle­xi­ble Tari­fe zurück­grei­fen wol­len, so ist zumin­dest die Kos­ten­sei­te kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Heut­zu­ta­ge wird ledig­lich ein Vier­tel der Ver­brau­cher-Strom­kos­ten im Markt gebil­det. Der Rest besteht ent­we­der direkt aus Steu­ern und Abga­ben oder ist wie die Netz­kos­ten regu­liert, also staat­lich indu­ziert.

Das ver­blei­ben­de Vier­tel „Markt“ im Strom­preis ist mit wei­te­ren Kos­ten wie für Ver­trieb und Mar­ge belas­tet. Hier müs­sen wir uns die ehr­li­che Fra­ge stel­len: Schaf­fen wir kos­ten­sei­tig einen Anreiz für die Strom­kun­den, aus ihrem gelern­ten Ver­hal­ten aus­zu­bre­chen? Auch mit größ­tem Opti­mis­mus fällt es schwer, die­se Fra­ge mit JA zu beant­wor­ten. Aber, die Ener­gie­wen­de braucht fle­xi­ble Tari­fe für ihr Gelin­gen. Die fle­xi­ble Steue­rung der Strom­ab­nah­me und damit ein Teil der Last ist ele­men­tar für das Strom­sys­tem der Zukunft und – wei­ter­ge­dacht – der Sek­tor­kopp­lung.

Kun­den­rol­le wan­delt sich – das Ver­hal­ten auch?

Die zuneh­men­de dezen­tra­le Eigen­pro­duk­ti­on von Strom macht aus Strom­ab­neh­mern akti­ve Teil­neh­mer im Strom­markt. Bis zu fünf Mil­lio­nen Dächer in Deutsch­land könn­ten lang­fris­tig mit Solar­an­la­gen aus­ge­stat­tet wer­den – die alle Steue­rungs­funk­tio­nen erfor­dern. Zusätz­lich drin­gen das Inter­net of Things und die Elek­tro­mo­bi­li­tät immer wei­ter in die Haus­hal­te vor. Hier bie­ten sich neue Angriffs­punk­te für den Ener­gie­ver­trieb. Den­ken wir zurück: Der Kun­de ist des­in­ter­es­siert und trä­ge. Das kön­nen sich die Ver­triebs­un­ter­neh­men zu Nut­ze machen, wenn sie Ange­bo­te erstel­len, die die Dezen­tra­li­tät und auch IoT-Tech­no­lo­gi­en nutz­bar macht, ohne dass der Kun­de selbst sich damit befas­sen muss.

Ver­trie­be wan­deln sich zu Dienst­leis­tern

Die Nach­fra­ge der Kun­den wird sich wan­deln, hin zu Dienst­leis­tun­gen, die Mobi­li­tät, Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on zu einem sinn­vol­len Sys­tem bün­deln. Smart Meter erlau­ben genau das. Sie ermög­li­chen es, über die Gate­way-Funk­tio­nen die Mehr­wer­te aus Inter­net-of-Things-Tech­no­lo­gi­en und dezen­tra­len Sys­te­men zu heben, und in Ange­bo­ten zu bün­deln.

Im Hin­ter­grund las­sen sich dann durch­aus fle­xi­ble Tari­fe abwi­ckeln. Auch Fle­xi­bi­li­tä­ten aus Ver­brauchs­ge­rä­ten und Pro­duk­ti­ons­an­la­gen las­sen sich gene­rie­ren und als Bei­trag zur Ener­gie­wen­de den Net­zen zur Ver­fü­gung stel­len. Die Steue­rung und Ver­mark­tung die­ser Fle­xi­bi­li­tät ist nicht mehr Sache des ein­zel­nen Strom­ab­neh­mers. Die Ver­trie­be wan­deln sich zu Dienst­leis­tern „vor dem Zäh­ler“, also gegen­über den Kun­den, und zu Fle­xi­bi­li­täts­ver­mark­tern gegen­über dem Ener­gie­markt –  hin­ter dem Zäh­ler. Intel­li­gen­te Mess­sys­te­me die­nen dabei als Steue­rungs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schnitt­stel­le zwi­schen bei­den Seg­men­ten.

Dem Kun­den­ver­hal­ten ent­ge­gen­kom­men

Der Kun­de kann, will und muss davon nichts mit­be­kom­men. Aus tech­ni­scher Sicht fin­det sich die Ana­lo­gie in der Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie: Nut­zer wis­sen zum Groß­teil nicht, wie der Com­pu­ter oder das Smart­pho­ne funk­tio­nie­ren. Sie wol­len es nut­zen, ohne sich mit Betriebs­sys­te­men oder Instal­la­ti­ons­pro­zes­sen befas­sen zu müs­sen. Funk­tio­niert etwas nicht, kon­tak­tie­ren sie den Fach­mann.

Ver­trieb­lich zei­gen die Mobil­funk­an­bie­ter, wie es geht. Sie kop­peln End­ge­rä­te mit Ser­vices und Tari­fen. Die Kom­ple­xi­tät neh­men sie ihren Kun­den ab.  Ener­gie­ver­trie­be kön­nen das auch. IoT-End­ge­rä­te, Ser­vices und letzt­lich auch der Com­mo­di­ty-Preis sind vor­han­den. Die kom­ple­xe Abwick­lung der Ver­knüp­fung, Steue­rung und Fle­xi­bi­li­tät über­nimmt der Dienst­leis­ter.